Aarberg – zwischen Blech und Beton

Kinder haben in Aarberg keinen Platz

Mit dem neuen Veloweggesetz hat sich die Schweiz selbst verpflichtet, den Veloverkehr endlich systematisch zu fördern und sicherer zu machen. In Strategien, Leitbildern und politischen Debatten klingt das nach Aufbruch: Mehr Platz fürs Velo, mehr Schutz für die Schwächsten im Verkehr. Doch zwischen Anspruch und Wirklichkeit klafft vielerorts noch eine erstaunlich grosse Lücke – und da ist das beschauliche Aarberg im Seeland leider keine Ausnahme.

Denn ausgerechnet dort, wo Sicherheit am dringendsten wäre, besteht eine erhebliche Gefahrenstelle. Eine Kantonsstrasse, innerorts, Tempo 50. Schwerverkehr inklusive. Und mittendrin: Kinder auf dem Schulweg. Ohne separate Infrastruktur, ohne Velostreifen, ohne bauliche Trennung. Nichts. Nur Asphalt und die Hoffnung, dass schon alles gut geht.

Es ist diese Art von Widerspruch, die den schönen Worten die Glaubwürdigkeit nimmt. Während Konzepte und Leitbilder von «sicherer Veloinfrastruktur» sprechen, fehlt deren Umsetzung in der Realität an entscheidenden Stellen. Oder schlimmer: Sie wird schlicht ignoriert. Denn ein Schulweg ist kein Ort für Kompromisse. Und schon gar keiner für geteilte Fahrbahnen mit Lastwagenverkehr.

Natürlich lässt sich argumentieren, dass Platz fehlt. Dass es sich um eine wichtige Verkehrsachse handelt. Dass Anpassungen komplex sind. Alles richtig – und doch am Kern vorbei. Sicherheit ist keine Frage der Bequemlichkeit, sondern der Prioritäten. Wenn ein Abschnitt weder die schwächsten Verkehrsteilnehmenden schützt noch ihnen überhaupt Raum zugesteht, dann ist das kein planerisches Detailproblem. Es ist ein Versagen.

Aarberg steht damit nicht allein da. Solche Abschnitte gibt es vielerorts. Aber genau deshalb lohnt es sich, hinzuschauen – und nicht weg. Denn jeder dieser Orte sendet eine klare Botschaft: Hier endet der Anspruch auf sichere Velowege. Und beginnt der Alltag. Und der ist für viele schlicht zu gefährlich.