Die unendliche Geschichte der Gartenstrasse
Wer kennt sie nicht aus der Kindheit, die unendliche Geschichte? Antéju möchte Phantásien retten. Jedoch lässt ein geheimnisvolles «Nichts» alles langsam verschwinden, die Welt braucht ein Wunder! Im Velojournal erzählen wir euch die 25-jährige, unendliche Geschichte der Gartenstrasse und berichten vom Wunder, auf das die Bieler Velofahrer*innen warten.
Im Mai 2019 hat die Stadt Biel mit der Gesamt-Mobilitäts-Strategie (GMS) 2018–2040 ein ansehnlich illustriertes Papier publiziert. Viele Stunden Arbeit, um mit schönen Worten hehre Absichten zu beschreiben. Mantra-mässig wird die Förderung des Veloverkehrs auf die Stadtfahne geschrieben. Wie aber sieht die Realität für die Veloinfrastruktur in Biel aus?
Ein Vierteljahrhundert für eine Brücke und ein paar Signaltafeln?
Insbesondere in der zentralen Nord-Süd-Achse warten wir seit 25 Jahren auf die Vollendung der Gartenstrasse. Eine Verbindung aus dem Linde-Quartier ins Stadtzentrum, ein sicherer und direkter Veloweg für Familien anstatt der Odyssee über den Kreuzplatz. Als letztes Hindernis fehlen ein nicht eingeholtes Wegrecht, eine Brücke über die Madretsch-Schüss und die Signalisation.
Von Aufbruchstimmung bis Resignation
Seit dem Massnahmenplan Velo aus dem Jahr 1998 sind über 20 Jahre vergangen. Lange Jahre, in denen zum Beispiel die Nordachse (Heilmannstrasse – Mühlebrücke – Seevorstadt) komplett für den Autoverkehr modernisiert wurde. Auch dort waren diverse Einsprache-Verhandlungen mit Grundeigentümer*innen nötig! Lasst uns in die Archive schauen, um zu erfahren, warum die Geschichte der Gartenstrasse bereits so lange dauert.
- 1986: Das Velo hat es Mitte der 80er Jahre in die Bieler Politik geschafft, der Rahmenkredit Velo wird 1986 verabschiedet.
- 1998: Aufbruchstimmung vor der Expo02. Im Massnahmenplan Velo des Planungsbüros planung biel ag werden die zentralen Verbindungen Ost-West (Oberer/Unterer Quai) sowie Nord-Süd (Gartenstrasse) definiert.
- Anfang 2000er Jahre: Baudirektor Ueli Haag setzt sich aktiv für eine rasche Realisierung ein; die erste Etappe der Gartenstrasse (Oberer Quai – Coupole) wird gebaut.
- 2004/05: Neubauten am Bahnweg/Madretschstrasse entstehen, doch die Stadt verpasst es, ein verbindliches Wegrecht zu sichern.
- 2008: Im Jahresbericht von Pro Velo wird die Gartenstrasse erneut erwähnt – als koordinationsbedürftiges Projekt mit anderen Bauvorhaben.
- 2010: Nur zwei von acht Grundeigentümer*innen haben die Landerwerbsvereinbarung unterschrieben; Verhandlungen ziehen sich hin.
- 2012: Stadträtin Salome Strobel fordert, die Verbindung mit der Eröffnung der Esplanade zu kombinieren – die Stadt «versucht es».
- 2013: Die Stadtplanung wandert zur Präsidialdirektion; Zuständigkeiten ändern sich, Personal wechselt.
- 2014: Realisierung verzögert sich weiter. Besitzverhältnisse ändern sich, die Stadt verliert den Faden – Pro Velo interveniert.
- 2015–2019: Mehrere Interpellationen, Gespräche, Versprechen – aber keine Umsetzung.
Dank einem persönlichen Kontakt zu einem der Stockwerkeigentümer*innen weiss Pro Velo, dass seit 2014 keine direkten Gespräche mehr stattgefunden haben – trotz mehrfacher Zusagen der Stadt, vorwärtszumachen.
Es braucht keine Wunder, aber sinnvolle Prioritäten!
Nach der Aufbruchstimmung der 2000er war die Luft raus. Die Stadt hat es verpasst, das Durchfahrtsrecht verbindlich zu sichern, Zuständigkeiten wechselten, Prioritäten wurden verschoben. Fazit: In der unendlichen Geschichte der Veloverbindung Gartenstrasse braucht es kein Wunder – aber endlich klare Prioritäten. Vielleicht sollte Biel zuerst die alten Baustellen schliessen, bevor es mit der Velo-Kristallkugel ins Jahr 2040 schaut.