Interview mit Lena Frank
Lena Frank wurde Anfang 2021 zur Gemeinderätin der Stadt Biel gewählt. Pro Velo Biel-Seeland-Jura bernois interviewt sie zu den beiden Jahren im Amt als Bau-, Energie- und Umweltdirektorin und den aktuellen Herausforderungen einer Stadt im Wandel.
Matthias Rutishauser: Du bist nun zwei Jahre im Amt – wie kannst du diese Zeit beschreiben?
Lena Frank: Die letzten beiden Jahre waren unglaublich intensiv. Es ist eindrücklich zu sehen, was die Stadt für ihre Bürger*innen alles leistet und wie komplex das Umfeld ist, in dem sie sich bewegt. Gerade im Verkehrsbereich ist das Spannungsfeld zwischen übergeordneten Vorgaben, unterschiedlichen Bedürfnissen an den öffentlichen Raum, finanziellen Einschränkungen und politischem Druck stark spürbar. Hier Lösungen zu finden, ist nicht einfach, aber enorm spannend.
Besonders viel Aufruhr und Panik von Autolobby und reaktionären Kreisen gab es in den zwei Jahren ja nicht. Ist das eher gut oder könnte es ein paar Aufreger noch vertragen?
Die Verkehrspolitik des Gemeinderates ist klar: Die nachhaltigen Verkehrsformen sollen gefördert und der motorisierte Individualverkehr (MIV) reduziert werden. Um dieses Ziel rasch erreichen zu können, braucht es einerseits eine klare Linie, andererseits aber auch eine grosse Sensibilität. Ich möchte Einsprachen möglichst verhindern, denn sie verzögern Projekte unnötig. Entsprechend werte ich es als positives Zeichen, dass es ruhig geblieben ist.
Aus Velosicht haben wir den Eindruck, dass in Biel in den letzten 20 Jahren nicht viel geschehen ist.
Ich verstehe die Ungeduld, denn wir können aufgrund der knappen personellen und finanziellen Ressourcen nicht so schnell vorwärtsmachen, wie wir gerne möchten. Die Einschätzung teile ich jedoch nicht. Hier einige realisierte Beispiele der letzten Jahre:
- Projekte: Schüssinsel/Uferweg, Sofortmassnahmen Ostast (Einbahn Unterführung Mühlestrasse, Engpasssteuerung Mettestrasse, Sperrung Mettlenweg etc.)
- Zahlreiche Verkehrsberuhigungsmassnahmen (Tempo 30, Sperrungen, Einbahnregelungen für den MIV)
- Ständige Verbesserung der Veloinfrastruktur mit neuen Markierungen und Signalisation
- Einführung Rechtsabbiegen bei Rot
- Aufhebung von Parkplätzen zugunsten der Verkehrssicherheit für die aktive Mobilität
Velofahrende wurden seit den 1990er-Jahren auf die Begleitmassnahmen zur Eröffnung Ostast vertröstet. Welche Massnahmen sind noch zu erwarten?
Die Sofortmassnahmen wurden umgesetzt, wir sind nun an der Planung der Neugestaltung der Nord- und Südachse. In der Regel setzen wir die Massnahmen in Synergie mit Fernwärmeinstallationen, Kanalisations- und Deckbelagsarbeiten um. Es läuft also dauernd etwas, und die Situation wird stetig verbessert.
Warum dauert es mehr als drei Jahre, bis der Velosachplan von der Stadt verabschiedet wird? Zudem bleibt der Sachplan anscheinend noch auf unbestimmte Dauer pendent beim Kanton.
Hier ist die Präsidialdirektion im Lead. Offenbar ist die Prüfung für den Kanton nicht prioritär, das bedaure ich. Denn der Sachplan ist wichtig – er gibt die Ziele für den Veloverkehr und das Velonetz vor. Diese sind vom Gemeinderat genehmigt und breit abgestützt. Mit dem Sachplan wurden auch viele konkrete Massnahmen definiert, die als Grundlage für künftige Projekte dienen. Für einen grossen Schub bräuchte es jedoch mehr personelle und finanzielle Ressourcen.
Wenn Parkplätze im Zentrum aufgehoben werden, geht das grosse Klagen los und der Untergang der Wirtschaft wird befürchtet. Wie siehst du das?
Wir befinden uns derzeit in einer Phase des Wandels. Um die Gesamtmobilitätsstrategie der Stadt Biel umsetzen und gleichzeitig mehr Grünräume und versickerungsfähige Oberflächen schaffen zu können, brauchen wir Platz. Entsprechend sind primär die «Stehzeuge» das Problem. Wir haben einen Auftrag des Parlaments, in den nächsten zehn Jahren einen Drittel der Oberflächenparkplätze aufzuheben. Die kürzlich eingereichte Stadtklima-Initiative verfolgt ein ähnliches Ziel.
Die Innenstädte sind vom Wandel stark betroffen – das hat aber vor allem mit einem veränderten Konsumverhalten zu tun. Studien zeigen, dass das Gewerbe von verkehrsberuhigten Innenstädten profitieren kann. Zudem haben die Parkhäuser, die heute nicht zufriedenstellend ausgelastet sind, von einer Zentralisierung der Parkierung einen Nutzen. Durch die Reduktion der Oberflächenparkplätze können wir Platz schaffen für mehr Lebensqualität und attraktivere Innenstädte.