100 Millionen, aber kein Platz fürs Velo

Die Situation für Velofahrende am nördlichen Bielerseeufer wird in den nächsten Jahren gefährlich und unübersichtlich bleiben. Das ASTRA richtet die Unterhaltsarbeiten an der N5 klar auf den motorisierten Verkehr aus – das Velo wurde (einmal mehr) vergessen. Pro Velo rät derzeit von Veloausflügen zwischen Biel und La Neuveville ab.

Das ASTRA begann vor einigen Jahren mit Unterhaltsarbeiten an der Nationalstrasse am Nordufer des Bielersees. An Informationsveranstaltungen wurden Gemeinden und Verbände jährlich über die Bauarbeiten informiert.

Nationalstrasse N5 – hier wird mit 60 km/h gefahren

Im November 2021 informierte das ASTRA, dass es von 2022 bis 2024 zu lang andauernden Baustellen kommen werde. Anders als bisher sei das Überholen von Velos erlaubt (unterbrochene orange Mittellinie), da auf Nationalstrassen mindestens 60 km/h erlaubt bleiben müssen. Pro Velo wies auf die Gefahr hin und forderte bessere Signalisation. Das ASTRA zeigte sich zunächst gesprächsbereit.

Velostreifen aufgehoben – fehlende Signalisation

Im März 2022 meldeten sich erste Pendler*innen über aufgehobene Velostreifen und chaotische Betonelemente. Weitere Rückmeldungen folgten, ebenso ein Vorschlag der Gemeinde Twann, auf dem Strandweg Tempo 20 einzuführen. Pro Velo kritisierte die minimale Signalisation und forderte eine Begehung vor Ort.

Am 25. April 2022 trafen sich Vertreter*innen von Pro Velo, der Gemeinde Twann und dem VCS. Rasch war klar: Das ASTRA ist nicht bereit, das Verkehrsregime anzupassen. Weder Temporeduktion noch Einbahnführung wurden geprüft. Auch die Aufhebung des Fahrverbots am Rebenweg wurde abgelehnt.

Veloausfahrt am 15. Mai 2022

Am 15. Mai 2022 demonstrierten über 100 Personen auf Velos entlang der Gefahrenstellen gegen die Missstände: «Für Autos werden Millionen investiert, doch die Sicherheit der Velofahrenden kommt unter die Räder», erklärte Matthias Rutishauser von Pro Velo Biel/Bienne–Seeland–Jura bernois. Das ASTRA investiert rund 100 Millionen Franken in den Ausbau der N5 und schafft damit Fakten für eine Neuauflage der Westast-Autobahn. Die geschützte Reblandschaft wird Stück für Stück zerstört, während die Strecke für Velos und Fussgänger*innen immer gefährlicher wird.

Minimalziel: Sensibilisierung auf allen Kanälen

Pro Velo forderte das ASTRA auf, Informationsplattformen wie SchweizMobil, Komoot oder Truck-Info zu nutzen, um auf die gefährliche Lage hinzuweisen. So sollen Ausflügler*innen bis Ende 2024 vom Nordufer fernbleiben. Diskutiert wurde auch ein Gratis-Veloverlad mit der SBB zwischen Biel und Ligerz – realistisch ist das jedoch kaum.

Auf motorisierte Planung ausgerichtet

Alternative, sichere Velorouten fehlen – ein Ergebnis jahrzehntelanger Fehlplanung. Pro Velo empfiehlt Pendler*innen den Strandweg, trotz schlechter Oberfläche und unübersichtlicher Stellen. Fazit: Veloförderung sieht anders aus.