Das 4. Agglomerationsprogramm und das Velo
Wird die Gartenstrasse endlich vollendet? Wann verbessert sich die Situation beim Hauserwehr? Und wann kann man vom Mühlefeld aus den Bahnhof sicher erreichen? Antworten liefert ein Blick ins Agglomerationsprogramm 4. Generation (AP4), mit dem der Bund Verkehrsprojekte mitfinanziert.
Im letzten Jahr haben die Regionen ihre Vorhaben für die vierte Generation dieses Programms eingereicht. Dabei zeigt sich, dass in Biel mehrere Projekte schneller realisiert werden könnten, als es die stadteigenen Planungen bisher vermuten liessen.
Die Gesamtmobilitätsstrategie Biel 2040 dient als Basis für die langfristige Verkehrsplanung. Sie verfolgt das Ziel, den motorisierten Individualverkehr nicht weiter wachsen zu lassen und setzt beim Velo auf zwei Hauptziele:
1. Aufbau eines angenehmen, durchgehenden und sicheren Velonetzes
2. Ausbau der Veloabstellplätze
Vom Planen…
Der Sachplan Velo soll diese Strategie konkretisieren. Er war das erste Teilprojekt der städtischen Mobilitätsplanung und wurde Ende 2020 in die Vernehmlassung gegeben. Für viele Veloaktive war das Resultat jedoch enttäuschend: viel Stückwerk, wenig Verbindliches, keine klaren Zielwerte und ein Zeitplan bis 2035.
Ein Jahr später war der Sachplan noch immer nicht verabschiedet – vielleicht ein Zeichen, dass er nochmals überarbeitet werden muss.
…über das Finanzieren…
Viele Umsetzungen hängen vom Agglomerationsprogramm Verkehr und Siedlung (Agglo-Programm) des Bundes ab. Damit beteiligt sich der Bund an Projekten, die eine Stadt allein kaum stemmen könnte. In der vierten Generation (AP4) sind einige für Velofahrende erfreuliche Projekte enthalten:
- Vollendung der Gartenstrasse: Südlicher Abschnitt von der Mattenstrasse bis Madretsch (Umsetzung 2024–2027 statt erst 2035).
- Velo- und Fussbrücke Westerholz über die Schüss in Bözingen – Teil der zentralen West-Ost-Achse vom See bis ins Bözingenfeld.
- Entschärfung Hauserwehr, bisher im Sachplan unerwähnt.
- Verbreiterung Holunderweg entlang der Madretsch-Schüss – wichtiger Korridor für die aktive Mobilität.
- Veloweg beim Brüggmoss entlang der Bernstrasse, schliesst eine seit der Autobahnverzweigung bestehende Lücke.
- Velohochstrasse entlang der SBB-Geleise vom Mühlefeld bis Robert-Walser-Platz (geplant 2028–2031).
…bis zur Umsetzung?
Der Schritt vom Sachplan zur Umsetzung im Agglo-Programm ist ein Fortschritt – doch es bleiben Lücken. So fehlt z. B. die Unterführung Schmiedweg, die eine sichere Anbindung des Bahnhofs ermöglichen würde. Wer die Bieler Verkehrspolitik kennt, weiss: Papier ist geduldig. Deshalb bleibt es zentral, den Anliegen des Veloverkehrs kontinuierlich Nachdruck zu verleihen – bis aus vielen Einzelprojekten endlich ein durchgehendes, sicheres Velonetz entsteht.
Dennis Briechle, Vorstandsmitglied Pro Velo Biel/Bienne–Seeland–Jura bernois